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Vom Umgang mit Ungerechtigkeiten

Ungerechtigkeiten tun weh. Sei es, man wird bei einer Beförderung übergangen, erhält einen wichtigen Auftrag nicht oder erfährt von anderen nicht die Wertschätzung, die man eigentlich verdient hätte. Man fühlt sich vielleicht ausgenutzt und schlecht behandelt. Man wird über den Tisch gezogen oder subtil ausgetrickst. Das schmerzt.

In jungen Jahren habe ich oft Jahre gebraucht, um eine größere Ungerechtigkeit loszulassen und in Frieden zu kommen. Später waren es Monate, heute sind es meist nur Momente. So geht es in reiferem Alter sicher einigen. Andere jedoch halten ihr Leben lang an einer größeren Ungerechtigkeit fest und machen sich so selbst ihr Leben schwer. Ich möchte ihnen empfehlen, dies nicht zu tun und eine Ungerechtigkeit nicht wie ein Banner vor sich her zu tragen. Ihr Leben wird dadurch traurig oder selbstgerecht. Zufriedenheit kann sich nicht einstellen und weitere Entwicklung im Leben wird erschwert.

Dies gilt selbst für schwere Traumata. Diese folgende wahre Geschichte in Kürze: Eine Frau wurde auf schlimme Weise vergewaltigt. Sie überlebte. Erstattete Anzeige und suchte sich natürlich therapeutische Hilfe. Der Mann wurde ein Jahr später gefasst. Journalisten warteten auf sie, als sie die Stufen zum Gericht hochging. Die Frau sah sehr gut aus. Die Journalisten fragten sie ein wenig erstaunt, wie das denn möglich sei. Die Frau antwortete: Der Mann hat einen Tag meines Lebens zerstört. Ich werde ihm nicht erlauben, weitere Tage zu zerstören.

Hier geht es um eine innere Haltung Ungerechtigkeiten und gar Traumata gegenüber. Zurück zum Leben nach ungerechten Ereignissen mag eine Zeit dauern und Hilfe erfordern. Diese können wir uns suchen. Doch das Ziel sollte bei den meisten sein, diese Wunde zu heilen und hinter sich zu lassen. Sie darf gerne wie bei mir im Artikel zuvor beschrieben einen kurzen Moment lang auftauchen, damit Sie Ihrem Jüngeren Ich vielleicht noch einmal Liebe und Wertschätzung geben. Das gehört zur Gegenwart. Man kann eine Wunde auch für die Welt nutzen. Wie es Viktor Frankl, ein österreichischer Neurologe und Psychiater und Holocaust-Überlebender, tat. Er schrieb u.a. das Buch: „…und trotzdem Ja zum Leben sagen“.

Natürlich gilt es bei Betrug und anderen Ungerechtigkeiten ganz bodenständig zu schauen, ob Sie sich in einem Gerichtsverfahren Recht verschaffen können. Auch hier gilt es abzuwägen. Es geht nicht immer darum zu gewinnen. Wägen Sie ab, ob das Geld im Verhältnis zum Ärger steht. Ob im Falle eines Sieges die Freude größer ist als der vielleicht jahrelange Ärger, der Ihnen eventuell unbezahlbare Lebensenergie raubt. Ob es nicht vielleicht förderlicher ist, mit ihrem Nachbarn beim Streit um den Gartenzwerg einen friedlichen Kompromiss zu suchen.

Natürlich geht es um Abgrenzung, wenn einen Familienmitglieder, Kollegen oder andere Menschen immer wieder schlecht behandeln. Sie müssen nicht alles hinnehmen und dürfen sich Ihr Leben passend machen. Wenn Sie nicht wissen wie, suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung. Das ist keine Schwäche. Das ist eine Stärke.

Interessant ist auch, dass wir öfter Anteil haben an ungerechten Ereignissen. Ich zum Beispiel hätte klüger sein und vorab klare Verträge aushandeln können. In schlechten Beziehungen müsste man nicht ausharren. Ein weiteres Moment ist, dass wir von Ungerechtigkeiten lernen, an ihnen wachsen und uns entwickeln können. Und dann gibt es noch Karma.

Spirituell gesehen können wir an allem wachsen und unser Mitgefühl vertiefen. Bedenken Sie, auch wenn es schwer fällt: Der Mensch, der Ihnen etwas angetan hat, hat nicht Sie persönlich gemeint. Er hätte das jeder anderen Person angetan, die in diesem Zusammenhang in dem Moment mit ihm zu tun gehabt und ähnliche Merkmale aufgewiesen hätte wie Sie. Er hatte seine Gründe. Heilung entsteht, wenn wir diesem Menschen vergeben und in Frieden unser Leben weiterleben können. Vergeben heißt nicht, das gutzuheißen, was der Betreffende getan hat. Vergeben geschieht nicht in erster Linie für den anderen, ein häufiges Missverständnis… Sie tun es für sich. Um sich zu befreien und frei zu werden und wieder fröhlich Ihren Lebensweg weiterzugehen. Zugegeben, das ist nicht immer leicht und manchmal sogar eine Lebensleistung. Aber auch hier ist der Weg ist das Ziel. Dieser Weg ist es allemal wert!

 

 

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