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Schmerzen einer jungen Schreibenden 1

Der Wind bläst dicke, fette Wolken weg an diesem Morgen. Passend zu meinem Essthema, denke ich gerade. Die Bäume biegen sich im Wind. Auch mattblauer Himmel ist schon zu sehen. Sturmtief Sabine tobt durch Deutschland. Sonntagmorgen um 8.34 Uhr war der Vollmond im Februar exakt.

Äußere und innere Wetterumschwünge sind nicht selten bei Vollmond. Ein Zahnschmerz scheint sich zum Besseren zu wenden. Der Tag verlief leidlich, will sagen einigermaßen gut. Mein Mann ist mit einer Erkältung ebenfalls ruhebedürftig. Wir blieben im Haus, bereiteten den Balkon auf den Orkan vor und machten es uns gemütlich. Ein Film mit dem just verstorbenen Kirk Douglas erinnerte uns an Kindheitszeiten. Er sah ihn im Kino, ich im Schwarzweißfernsehen.

In der Nacht einige Träume. Dann plötzlich überraschend am Morgen konzentriert sich ein seelischer Schmerz.

Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich fürs Teilen. Von vielen spirituellen Personen erfährt man erst mehr, wenn sie zu dem geworden sind, was sie sind. Ein weises Wesen in menschlicher Gestalt. Oft sind sie lange verschwunden. Man weiß nicht oder nur ansatzweise, wo sie gewesen sind und was sie gemacht haben. Aber alle haben eine Vorgeschichte. Sie wurden hinein geboren in eine Situation, lernten auf vielfältige Weise und „erwachten“ schließlich. Einige sind jünger, andere älter gewesen. Es ist wie ein neues Leben. Einige beziehen sich auf ihr altes Leben, aber viele auch nicht.

Die Schmerzspitze, die ich heute erlebte, hat mit dem Schreiben zu tun. Die traumatischen Dinge, die sich in Zusammenhang damit ereignet haben. In einer Art Gefühlsbild fielen sie heute in einem Schmerz zusammen. Da war der Gymnasiallehrer in Deutsch. Er nutzte eine Klassenarbeit von mir dazu, mich in der Pause im Zimmer zu behalten und war subtil sexuell übergriffig. Ich hatte die beste Arbeit der Klasse geschrieben. Im Deutschen befand ich mich immer unter den Ersten oder war die Erste.

Er lobte die Arbeit und ärgerte sich über meine diffus ablehnende Haltung. Meinte, ich verhalte mich in einem Moment wie eine außerordentlich weise Frau und dann wiederum wie ein Kind. Was Wunder! Ich war ein Mädchen in der Pubertät. Meine wesenshafte Spannbreite war schon als Kleinkind groß. Ich bin so geboren. Ab diesem Zeitpunkt mochte ich diesen Lehrer nicht mehr. Das isolierte mich in meiner Klasse. An der Schule war er bei den Schülern überaus beliebt, weil er so progressiv war…

Dieser Mann war noch eine ganze Zeit mein Klassenlehrer. Er musste mir Einsen geben. Ich schloss auch mit „Sehr gut“ im Abitur ab. Später erfuhr ich, dass dieser Mann tatsächlich mit Schülerinnen im Bett gewesen war. Er wurde, so hörte ich, deswegen versetzt. Ich hatte nur diese Schwingung gespürt in seinen indirekten Worten und seinen Blick gesehen. Zwei Jahre lang zog ich mich in mich zurück, gab nur kryptische und unleidliche Kommentare. Meine Klassenkameraden standen ihrem geliebten Lehrer bei.

An der Universität ereignete sich Ähnliches. Ich schrieb eine sehr gute Seminararbeit. Der Professor sprach mich darauf an, bat mich in sein Zimmer und stand sehr nah, überaus nah neben mir. Er lobte meine Arbeit und bot mir eine Doktorandenstelle an, was wir bei einem Essen in einem Restaurant eines nahegelegenen eleganten Hotels besprechen könnten. Er war ein Examensprofessor. Einen anderen Professor zu wählen, hätte zwei weitere Jahre Studium bedeutet. Aber immerhin hätte ich wählen können.

Am Gymnasium war das damals nicht mal ansatzweise möglich. Zwei Klassen in einem Jahrgang mit jeweils anderen dritten Fremdsprachen. Ich machte das Gleiche wie in der Schule. Ich ging diffus nicht darauf ein, bereitete mich gut auf die Prüfung vor und machte dem Professor mit kniffligen intellektuellen Fragen in den Veranstaltungen zumindest sein professorales Leben schwer.

Was für ein Stress! Was für Belastungen! Wegen Fehlverhaltens dieser beiden Männer!

Mehr erfahren Sie in Teil 2.

 

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