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Schmerzen einer jungen Schreibenden 3

Die Abstinenz von Zucker, Brot, Kaffee etc. fördert das Wahrnehmen früherer Wunden. Es ist eine gute Zeit, sich darum zu kümmern. Wunden, die noch ein wenig oder mehr an Heilung bedürfen. Sie tauchen auf und sind willkommen. Das Jüngere Ich oder innere Kind darf da sein mit all seinen Schmerzen, Sorgen und Nöten. In der Innerlichkeit und Enthaltsamkeit hat es einen guten Raum.

Ich habe mich entschlossen, mich neben dem Online-kurs von einer liebevollen Kollegin mit Ayurveda-Massagen unterstützen zu lassen. Ich schätze das indische Ayurveda, was übersetzt „Wissen vom Leben“ bedeutet, sehr. Die erste Massage erhielt ich in der vergangenen Woche.

Dort kam für mich selbst völlig überraschend eine tiefe Verletzung zum Vorschein, die immer noch nicht ausgeheilt war. Ich habe Mitte der 90er Jahre in einem renommierten deutschen Ayurveda-Zentrum eine Panchakarma-Kur gemacht. Es tat mir sehr gut. Das Essen war ausgezeichnet und kreativ. Der Koch kam oft zu mir an den Tisch. Als er erfuhr, dass ich Journalistin und leitende Redakteurin der dpa war, erzählte er mir, dass er gerne ein Kochbuch schreiben würde, dies aber nicht könne, da er nicht wisse wie.

Wir sprachen öfter und kamen überein, dass wir unter gemeinsamer Autorenschaft ein Buch verfassen würden. Er kam mehrere Wochen nach Hamburg und wir saßen jeden Tag bei mir im Wintergarten mit Blick auf die Elbe beisammen. Meine Kreativität floss aus mir heraus. Hier konnte ich Schreiben, Spiritualität und altes Wissen miteinander verbinden. Ich war sehr glücklich darüber.

Das Buch geht über ein reines Rezepte-Buch weit hinaus, ist humorvoll und liebevoll. Ich beschrieb die Wirkungen von Gewürzen und Kräutern auf der physischen, emotionalen, mentalen und spirituellen Ebene. Das war damals etwas Besonderes. Ich wusste oft mehr als der Koch.

Hintergrund für dieses Wissen ist, dass ich über die Eigenschaft zu verfügen scheine, vielfältige, tieferliegende Informationen über das Wesen von vielem, mit dem ich mich beschäftige, erhalten zu können. Dass das etwas ist, was bei mir weit entwickelt ist, war mir in jungen Jahren nicht klar, da diese Eigenschaft mich von Anfang an in meinem Leben begleitete.

Diese Eigenschaft führte wohl auch dazu, dass ich im Journalismus öfter Themen vorschlug, die erst viel später für die Medien aktuell wurden. So wurden diese Themen oft abgelehnt. Als sie dann Jahre später ein größeres Ausmaß annahmen, zu Brennpunkten in der Öffentlichkeit wurden, hatte ich mich schon damit auseinander gesetzt, es gegebenenfalls durchlitten und war längst woanders.

Zurück zum Ayurveda-Buch. Es war viel Arbeit. Der Koch fuhr ab. Ich arbeitete voller Liebe und Kreativität daran, stellte das Manuskript fertig. Ich sandte es an Verlage. Wir fanden vorerst keinen Verlag. Eine ganze Weile hörte ich von meinem Partner nichts. Dann folgte ein großer Schock! Der Koch hatte es alleine unter seinem Namen herausgebracht.

Darauf angesprochen, verhielt er sich unpassend und derb. Behauptete, dass ich nur seine Sekretärin gewesen sei. Ich erwiderte, dass er eine Sekretärin bestimmt auch an seinem Wohnort hätte finden können und dafür nicht nach Hamburg hätte reisen müssen. Ich sah von einer Klage ab, erhielt eine klene Summe, die dem zukünftigen Wert des Buches nicht entsprach. Er begründete eine neue erfolgreiche Existenz auf meinem Spezialgebiet im Buch. Das Buch ist immer noch beliebt und hat fünf Sterne in der Bewertung.

Dies alles kam mir während der Massage hoch. Es tat noch einmal sehr, sehr weh. Ich habe damals keinen Vertrag mit meinem Partner geschlossen. Ich handele ganz hanseatisch gern in Treu und Glauben. In den vergangenen Tagen kamen Erinnerungen an weitere Enttäuschungen dazu. Erinnerungen an die Memoiren einer damals sehr berühmten und reichen Frau, die ganz Deutschland kannte. Sie bat mich um Hilfe für ihr Buch. Ich half. Wieder ohne Vertrag. Sie wollte mir zehn Prozent des ihr zustehenden Verkaufserlöses geben. Eine namentliche Nennung war mündlich vereinbart.

Auch diese Frau bediente sich meiner Arbeit und zog alle Register. Mein Fachanwalt riet mir, den äußerst bescheidenen außergerichtlichen Vergleich anzunehmen. Selbst wenn ich gewänne, würde ich nervlich am Ende sein, da diese Frau mich demontieren würde. Dafür seien sie und die von ihr gewählten Anwälte bekannt. Ich habe auf den Rat gehört.

Nach diesen Erlebnissen kann ich allen Schreibenden nur den Rat geben: Wie nett ein Mensch auch immer daher kommt, schließt einen umfassenden Vertrag ab. Vor dem Beginn der Arbeit!

Ich will keinen Teil 4 mehr zu diesem Thema schreiben. Noch kurz erwähnt sei, dass ich einem Schriftsteller in der Krise geholfen habe, seinen Roman fertigzustellen, der sich im Anschluss ungehobelt zeigte. Dass ich in der Ausbildungszeit von mir geschriebene Artikel unter dem Namen von etablierten Kollegen in Zeitungen vorfand. Dass ich in einer anderen Zeitung als in den bisher benannten böse gemobbt wurde. Vielleicht nur, weil ich einige Erfolge zu verzeichnen hatte mit meinen selbst gewählten Reportagen, in der Süddeutschen zitiert oder vom Bürgermeister kontaktiert wurde.

Egal! Und nicht egal! Durch das Aufschreiben dieser alten Verletzungen und Enttäuschungen rege ich mich gerade wieder darüber auf und beende jetzt abrupt den Post, um mein Jüngeres Ich zu hegen und zu pflegen. Es freut sich, zu Wort gekommen zu sein und dankt. Der Himmel draußen ist wieder grauer, der Wind tobt entlang. Wie innen so außen. Guten Tag!

P.S.: Ich habe auch viel Interessantes und Gutes im Journalismus erlebt und sehr sympathische und gute Kollegen erfahren. Aber hier ging es dem Detox-Thema entsprechend um Schmerzen. Eine wirklich zu mir passende Stelle fand ich nie. Vielleicht ganz gut. Sonst hätte ich mich vielleicht nicht so weiter entwickelt. Oder erinnern können. Who knows!

 

 

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