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Schmerzen einer jungen Schreibenden 2

Nach dem Studium wurde ich Journalistin. Erst arbeitete ich frei, vor allem bei der Hamburger Morgenpost. Dann bewarb ich mich an mehreren Journalistenschulen. Ich wurde von der damaligen Axel-Springer-Journalistenschule angenommen. Meine Stammredaktion war das Hamburger Abendblatt. Ich erhielt ein für damalige Verhältnisse angemessenes Gehalt, durchlief nahezu alle Ressorts des Abendblatts, war bei SAT1, Bild und beim Springer Auslandsdienst London, noch in der altehrwürdigen Fleet Street.

Drei anspruchsvolle je einmonatige Kompaktkurse, die journalistisches Wissen vertieften und hochkarätige Personen aus Journalismus, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft als Vortragende präsentierten, rundeten die Ausbildung ab. Eine gute Ausbildung sowie „Learning bei Doing“.

Der Beruf machte mir durchaus Spaß. Ich konnte meine Schreibbegabung innerhalb dieses Rahmens einsetzen. Es lief gut. Ich wurde als eine von wenigen quasi als Belohnung für gute Arbeit drei Monate in ein Auslandsbüro geschickt, erhielt schon ein halbes Jahr vor Ende der zweijährigen Ausbildung ein sehr lukratives Stellenangebot, welches ich aus verschiedenen Gründen nicht annahm. Drei Monate vor dem Ende der Ausbildung kontaktierte mich ein Headhunter, der mir u.a. eine sehr interessante Stelle als Chefreporterin eines damaligen Zeitgeistmagazins anbot, das sehr beliebt war. Ich entschied mich anders.

Wir befinden uns in den 80er Jahren. Solche Übergriffe wie zuvor erlebte ich nicht. Vielleicht aber auch, weil ich sehr achtsam war. Aber Sprüche von einigen Redakteuren und gesettelten Kollegen. Diese waren so befremdlich anzüglich, dass mir darauf meist keine passende Antwort einfiel. Einmal, ich erinnere mich noch genau, befand ich mich in einer Außenstelle des Abendblatts. Ein Kollege sagte immer wieder mir sehr unangenehme Dinge. Ohne  jeden Zusammenhang. Es war schrecklich damals. Ich lag wieder einmal nächtelang wach, wie schon öfter wegen solcher und anderer verbaler Übergriffe.

Ich schwor mir, dass ich mich das nächste Mal wehren würde. Egal wie plump oder unelegant ich das in dem Moment machen würde. Hauptsache, ich öffnete den Mund. Die guten Antworten fielen mir damals leider erst im Nachhinein ein. Gesagt, getan! Ich schaffte es. Ich weiß nicht mehr, was ich sagte, aber ich vertrat mich. Irgendwie und setzte eine Grenze. Ein Durchbruch für mich!

Bei anderen Kolleginnen sah ich anderes. Manche hatten Verhältnisse und dadurch kurz- oder langfristig Vorteile oder bessere Positionen. Sicher haben auch einige von ihnen Übergriffe erlebt. Statistiken von heute zufolge erlebt jede dritte bis vierte Frau Übergriffe im Leben. Ich frage mich gerade, ob es heute anders ist. Das in der Öffentlichkeit dargestellte Frauenbild ist heute oft so selbstsicher trotz „Me too“?

Seltsam! Es ist wirklich so, als wenn ich auf ein anderes Leben blicke. Mit mir heute hat das wenig zu tun. Längst vergangene Eindrücke der Seele, verhallt, noch da, um in wenigen Momenten kurz aufzutauchen, gesehen und gefühlt zu werden. Und vielleicht auch um geteilt und geheilt zu werden. Ich weiß es nicht.

Spiritualität bedeutet nicht, allwissend zu sein. Das ist auch gar nicht nötig. Es ist eher so, dass einem spirituellen Menschen das Wissen zuteil wird, welches er in einem gegebenen Moment braucht. Manchmal heißt das allerdings auch „Abwarten und Vertrauen“.

Von anderen Schmerzen erfahren Sie in Teil 3

 

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