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Geist und Seele

Der Morgen ist milchig-grau-weiß. Kein Rauch aus dem Kamin des alten Hauses gegenüber mit seinem ein wenig verwitterten Jugendstilzierat. Die Tannen recken stolz ihr Haupt, die Laubbäume ihre kahlen Äste. Ruhe! Ich schreibe mich warm nach den Irritationen der beiden vergangenen Tage.

Ich will und brauche keine Perfektion, denke ich gerade. Ich will nichts verkaufen in diesem Blog. Schreiben will ich über Themen, die mein Leben mindestens ein Leben lang ausmachen. Nur meinen Beitrag nach langem Schweigen leisten.

Heute will ich mich an die großen Worte Geist und Seele wagen. Es geht bestimmt vielen Menschen so, dass sie diese Worte zwar benutzen, sie aber nicht genau definieren könnten, wenn man sie fragte. Denn jedes Wort umfasst unsprechbare Welten und Horizonte. Ich will mich jetzt herantasten, aus dem Gefühl heraus, ohne Hintergrundlektüre ein paar persönliche Worte wagen.

Der Geist! Eher männlich, ein starker Strahl bei den Buddhisten, kühl, eher Norden als Süden, Logos für die weiße Bruderschaft, ein weites Feld, in dem man reisen kann. Klärt die Dinge, trennt messerscharf das Eine vom Anderen und hilft zu verstehen. Große Einsicht, erkenntnisreiches Sein…

Die Seele! Eher weiblich, ein nicht fassbares unsichtbares Etwas. Zärtlichkeit. Mit ihr verbindet mich eine innige Liebesbeziehung. Durchdringt den Stoff des Lebens, zart, unendlich zart und doch unsterblich. Gefühlswelten; Schöne Gartenlandschaft. Teil der universellen Liebesschwingung. Indien…

Wie man an diesen Wortskizzen ersieht, liebe ich die Seele sehr. Ich unterscheide mich darin von manchen Traditionen, die meinen, in der Seele befänden sich ungute Gefühle und Schwachpunkte, gleichsam Mängel, an denen man ständig arbeiten müsse.

Diese Sichtweise kommt beispielsweise in der traditionellen chinesischen Medizin vor. Dort hat die Seele ihren Sitz in der Leber und muss häufig behandelt werden. Auch im Christlichen muss die Seele oft geläutert werden. Schamanen und Heiler sagen, dass Seelenanteile verloren gehen können und holen sie zurück. Manche sprechen auch von verlorenen Seelen. Dies sind meiner Sichtweise entsprechend alles Arbeitsmodelle und Systeme, die durchaus gut funktionieren können. Ich arbeite in meiner Praxis selbst damit, wenn ich es für sinnvoll halte. Dennoch!

Für mich in meinem innersten Empfinden ist die Seele makellos, gehört zu einer großen universellen, hochschwingenden göttlichen Liebe. Teil eines Unteilbaren und doch durchaus persönlich. Die Seele ist gleichsam durchwirkt von unseren persönlichen Erfahrungen, nimmt sie mit, wohin sie auch „geht“. Ein zartes, ach so zartes sich leicht bewegendes Gebilde, tausendfach zarter als der zarteste Schmetterling und doch unzerstörbar. Die Seele beinhaltet die persönlichen Erfahrungen, ist sie jedoch nicht und bleibt dennoch paradoxerweise makellos.

Vielleicht sind dies nur Begrifflichkeiten. Aber beim Hineinfühlen erkenne ich, es ist doch mehr als das. Im ewig Göttlichen sind auch traumatische Erfahrungen gut aufgehoben, haben ihren Platz, sind geordnet und erkannt, geliebt. Sie können das Unteilbare nicht verdunkeln. Vielleicht sind es Informationen, die Ausdruck der lebendigen universellen Schwingung sind, die sich ständig in neuen Bildern ausdrückt und dennoch unveränderlich konstant ist in ihrer Essenz.

Es ist der Mensch, der manchmal Heilung braucht, nicht die Seele. Genauso ist es mit dem Geist. Im Menschen kann der Zugang zu beiden behindert sein. Ein grobes Bild vielleicht: Die Rohre sind verstopft und müssen gereinigt werden. Oder der Mensch als Empfänger und Träger kann die Informationen nur schwer oder verzerrt wahrnehmen. So können sogenannte geistige und auch seelische Störungen entstehen. Ich vermute, die meisten Menschen weisen immer, wenn sie im Ungleichgewicht sind, solche Störungen auf. Sogenannte seelische oder auch geistige Krankheiten werden es, wenn die Zugänge zu Geist und Seele schwer und dauerhaft beeinträchtigt sind.

Der Geist an sich ist klar und rein und stark. Die Seele ist gefühlvoll und licht und zärtlich. In mir steigt das Bild eines wunderschönen Paares auf. Die Seele lichte Frau, der Geist leuchtender Mann. Wenn Geist und Seele sich im Menschen in Harmonie vereinen, dann erleben wir vielleicht einen Menschen, wie das Göttliche ihn gedacht hat. So wunderschön!

 

 

 

 

 

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